🎨 Ich glaube, ich habe meinen Stil gefunden

In letzter Zeit habe ich immer wieder darüber nachgedacht, was eigentlich wirklich zu mir passt.

Ich zeichne sehr gerne digital und ich liebe die Möglichkeiten, die man am iPad hat. Man kann Farben verändern, Ebenen verschieben, Dinge ausprobieren, rückgängig machen und aus einer einzigen Idee gefühlt hundert verschiedene Versionen entstehen lassen. Das Digitale wird auch weiterhin ein wichtiger Teil meiner kreativen Arbeit bleiben.

Aber trotzdem merke ich gerade immer stärker, dass das traditionelle Zeichnen vielleicht genau der Bereich ist, in dem ich mich am meisten entfalten kann.

Und das Lustige daran ist: Eigentlich war das überhaupt nicht geplant.

Vor einiger Zeit habe ich mir Acrylstifte bestellt. Der ursprüngliche Plan war ziemlich simpel: Ich wollte damit solche Malen-nach-Zahlen- beziehungsweise Ausmalbücher gestalten und einfach etwas Neues ausprobieren.

Als die Stifte dann ankamen, wollte ich natürlich direkt wissen, wie sie sich auf Papier anfühlen und wie die Farben aussehen.

Also habe ich nicht etwa ein Ausmalbild genommen.

Stattdessen habe ich angefangen, eine Schildkröte zu zeichnen.



Die Idee zu diesem Motiv hatte ich schon länger im Kopf. Ich wusste ungefähr, wie sie aussehen sollte, hatte sie aber bisher nie wirklich umgesetzt. Eigentlich wollte ich nur schnell eine kleine Zeichnung machen, um die neuen Stifte zu testen.

Tja.

Aus diesem kleinen Test wurde dann irgendwie viel mehr.

Ich fing an zu colorieren und merkte ziemlich schnell, wie viel Spaß mir das machte. Das Gefühl, die Farbe wirklich auf das Papier zu bringen, die Stifte in der Hand zu haben und Schritt für Schritt zu sehen, wie das Bild entsteht, war einfach etwas ganz anderes als am Tablet.



Seitdem greife ich ständig wieder zu diesen Stiften.

Aktuell coloriere ich meine neuen Zeichnungen fast ausschließlich damit.

Und ich glaube, genau dabei ist etwas passiert, womit ich gar nicht gerechnet hatte: Ich habe das Gefühl, meinen eigenen Stil ein Stück weit gefunden zu haben.

Natürlich entwickelt sich ein Stil immer weiter. Wahrscheinlich werde ich in ein paar Monaten wieder neue Dinge ausprobieren, Farben verändern oder andere Techniken entdecken. Aber gerade jetzt fühlt sich das, was ich mache, einfach richtig an.

Ich zeichne meine Skizzen auf Papier, arbeite die Linien aus und coloriere anschließend mit meinen Acrylstiften. Dabei entstehen Bilder, die sich für mich irgendwie lebendiger und persönlicher anfühlen.



Vielleicht gerade deshalb, weil nicht alles perfekt kontrollierbar ist.

Am iPad habe ich nahezu unbegrenzte Möglichkeiten. Ich kann aus tausenden Farben wählen, Farbverläufe erstellen, Schatten verändern oder etwas so lange korrigieren, bis es genau meinen Vorstellungen entspricht.

Bei meinen Acrylstiften sieht das ganz anders aus.

Ich habe aktuell 72 Farben.

Das klingt zunächst nach unglaublich viel – bis man plötzlich vor einer Zeichnung sitzt und genau diesen einen Farbton braucht, den man natürlich nicht hat. 😅

Manchmal ist das tatsächlich eine kleine Herausforderung.

Beim digitalen Zeichnen würde ich einfach den Farbkreis öffnen und mir exakt den Ton aussuchen, den ich gerade brauche. Auf Papier muss ich mit dem arbeiten, was vor mir liegt.

Dann wird ausprobiert.

Welche Farbe könnte funktionieren? Kann ich zwei Töne miteinander kombinieren? Wird es vielleicht sogar schöner, wenn ich nicht genau die Farbe nehme, die ich ursprünglich im Kopf hatte?

Und irgendwie klappt es am Ende trotzdem.

Vielleicht macht genau diese Begrenzung sogar einen Teil des Reizes aus.

Ich muss kreativer mit den vorhandenen Farben umgehen und treffe manchmal Entscheidungen, auf die ich digital wahrscheinlich gar nicht gekommen wäre.

Natürlich gibt es auch Momente, in denen ich vor meinem Stiftekoffer sitze und denke: Ich brauche definitiv mehr Farben.

Aber gleichzeitig merke ich, dass man gar nicht immer unendlich viele Möglichkeiten braucht, um etwas Schönes entstehen zu lassen.

Meine aktuellen Bilder haben dadurch einen ganz eigenen Look bekommen.
Die Farben wirken anders als bei meinen digitalen Illustrationen, die Oberflächen haben kleine Strukturen und manchmal sieht man sogar Stellen, an denen ein Farbton nicht vollkommen gleichmäßig geworden ist.



Früher hätte mich so etwas wahrscheinlich gestört.

Heute finde ich gerade diese kleinen Unregelmäßigkeiten schön.

Sie zeigen, dass das Bild wirklich mit der Hand entstanden ist.

Ich glaube, genau das habe ich beim traditionellen Zeichnen vermisst.

Das Papier unter der Hand. Die Stifte, die überall auf dem Tisch liegen. Das Ausprobieren von Farben auf einem kleinen Stück Papier. Und dieses Gefühl, am Ende tatsächlich etwas vor sich liegen zu haben, das man anfassen kann.

Natürlich werde ich weiterhin digital zeichnen.

Ich liebe Procreate und die Freiheit, die mir digitales Arbeiten gibt. Gerade für Sticker, Produktdesigns und bestimmte Illustrationen ist es für mich nach wie vor unglaublich wichtig.

Aber ich glaube, dass ich gerade verstanden habe, dass ich mich gar nicht für eine Seite entscheiden muss.

Vielleicht ist genau diese Mischung mein Weg.

Meine Ideen entstehen wieder häufiger ganz klassisch mit Bleistift auf Papier. Ich arbeite sie traditionell aus, experimentiere mit Acrylstiften und kann sie später trotzdem digital weiterverwenden oder für meine Produkte vorbereiten.

Und genau das fühlt sich momentan unglaublich gut an.

Aus einer Packung Acrylstifte, die eigentlich nur für ein paar Ausmalbilder gedacht war, ist plötzlich eine ganz neue kreative Richtung entstanden.

Manchmal findet man seinen Weg nicht durch langes Suchen, sondern in einem einzigen Moment, der sich einfach richtig anfühlt.

Und genau so fühlt es sich gerade für mich an.

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